Donnerstag, 25. Oktober 2012

Klappe die Zweite!


Schnäppchenjagd und Rinderwahn


Irgendwie höre ich den Wecker halb. Aber auch halb nicht. Und irgendwie scheint er mich nicht wirklich zu betreffen. Bis meine Mitbewohnerin Laila sagt „Adrian, dein Wecker..“. Das kann ich nun nicht leider mehr leugnen und so quäle ich mich aus meinem wunderschön warmen Bett. Es ist  4:45. „Viel zu früh..“ denke ich mir und mache mir erst mal eine Tasse Tee und dann mein Morgen-Yoga.
Anschließend geht’s auch schon mit dem neueren unserer beiden Projektautos auf nach Kapstadt um es in der Werkstatt reparieren zu lassen. Wie sich später noch bestätigen sollte ist die Kupplung kaputt. Zu dem Zeitpunkt kann man aber noch fahren und nach einigen kleinen Weg-finde-Schwierigkeiten stehe ich schließlich in Einfahrt von unserer Volkswagenwerkstatt. Hier erkläre ich, was genau eigentlich die Probleme sind und dann kann ich abzischen.
Ich laufe in der Morgensonne zum Taxibahnhof. Ich genieße den Blick auf den Tafelberg, der von hier aus wirklich wie eine Platte Fläche, eben eben wie eine Tafel aussieht. Auch Bilder will ich machen DOCH WIE DOOF: ich hab meine SD-karte daheim vergessen. Nun gut, ich versuche mir den Anblick mit meinem „fotografischen Gedächtnis“ so gut wie möglich einzuprägen. Auch den Platz auf diesem Wahrzeichen, an dem ich vor zwei Wochen nach dreistündigem Aufstieg ein kleines, wunderschönes Schläfchen am Rand der Klippe eingelegt habe meine ich wiederzuerkennen.
Dann warte ich eine Weile bis mein Taxi kommt. Doch wenigstens kommt es irgendwann und die Heimfahrt dauert nur eine Viertel Stunde. Dann bin ich im Township Samorra, wo mich meine Mitfreiwillige Ann-Christin abholt um mit mir dann noch schnell beim Ahmedia (Baumarkt) vorbei zu schauen, wo wir ein wenig Farbe für unser Gebäude kaufen.
Leider hat der Baumarkt noch geschlossen als wir ankommen (8:45 Uhr) und so vertreiben wir uns die Zeit indem wir noch kurz an einem kleinen Gemüse- und Obststand vorbei schlendern, derer es hier überall so viele gibt. Aus reinem Zeitvertreib frage ich, was denn heute billig wäre und er sagt mir, dass 1,5 kg Kürbis umgerechnet 0,50 € , eine halbe gurke 0,20 € und zwei schöne Blumenköhle 0,80 € kosten. Das haut mich echt vom Hocker und ich kaufe für 1,50 € so viel Gemüse ein, dass ich mindestens die nächsten 4 tage davon zehren kann. Dann beschließe ich: ab jetzt wird Gemüse hier meine Hauptnahrungsquelle, ultra günstig und gesund und lecker und überhaupt, also was will man mehr!
Nach diesem Schnäppchen kaufen wir teure Farbe und fahren dann nach Hause.
Hier koche ich erst mal eine leckere Kürbissuppe aus einen Teil meiner Errungenschaften und während diese auf dem Herd vor sich hinblubbert gehe ich zu meinem Date mit Zukiswa, unsere Köchin. Ich darf mir mit ihrer Hilfe ein paar ganz persönliche Fatcakes mit früchten fritieren. Wir schneiden die Früchte, versenken sie im Teig und teilen uns anschließend die Ausbeute. Und ohhh.. mhhh. Die sind lecker.
Am Rande: Fatcake ist eine Art Brot, die fritiert wird und unserem Deutschen Langos nicht unnähnlich ist. Nur ohne Belag aber mindestens genauso fettig und lecker!
Dann gehe ich zur Baustelle, wo wir die Faciaboards fertig streichen, die wir gestern schon fast beendet hatten. Eine weitere kleine Anmerkung des Lektors: ein Faciaboard ist eine Holzverkleidung zum Befestigen der Regenrinne und zum Abdichten zwischen Ziegelmauer und Wellblechdach unserer zukünftigen Holzwerkstatt.

Holzwerkstatt, kurz bevor wir das Dach montieren


Nach einigen weiteren kleineren Arbeiten am Gebäude gehe ich nach oben zu unserem Freiwilligenquartier. Hier miste ich erst mal den Hasenstall aus, was sich wegen der Sonne als sehr schweißtreibende Arbeit herausstellt. Trotzdem: ich würde auch nicht gerne auf meiner Kacka sitzen wollen. Auch wenn sie böbbelig wäre.
Als ich fertig bin mache ich mich daran den Hasenauslauf weiter zu bauen. Vor 3 Wochen habe ich angefangen ein Gitter so zurecht zu biegen, das man es als Hasenzaun benützen kann, damit unsere Nager auch mal ein wenig Auslauf und frisches Gras bekommen. Ich komme ganz gut voran. Doch bald fangen Sky und Sascha in ihrem Zwinger an so gottserbärmlich zu heulen, dass ich es nicht mehr ignorieren kann und so schnappe ich mir die Leinen, mit den beiden Hunden dran und wir laufen eine Runde auf der Farm.



Wie immer machen wir Leinenübungen: immer wenn die Vierbeiner in eine Richtung ziehen drehe ich um und laufe den exakt entgegengesetzten Weg. Martin Rütters lässt grüßen. Inzwischen zeigt dieses Prozedere auch schon esrte Erfolge und meine allabendlichen Runden erinnern nicht mehr ganz so sehr an ein Schulter-Workout, wie sie es am Anfang getan haben. Ein Zitat dazu von Mr. John vor einer Woche: „Are you taking a walk with the dogs or are the dogs taking a walk with you?“. Weil ich genau sowas nicht nochmal hören möchte bin ich seitdem übel konsequent. Das führt dazu, dass wir manchmal eine geschlagene dreiviertel Stunde auf einer Länge von 15 m Metern gefühlte 1000 mal hin un her laufen. Aber es wirkt!
Doch bald haben wir drei genug, machen unsere Rennroutine und sprinten einmal um die halbe Farm. Bevor das jetzt falsch wirkt: unsere farm ist wirklich groß. Wie immer ist das Kraftpaket Sky an der Spitze und zieht mich. Ich bilde die Mitte an der im wahrsten Sinne des Wortes alles hängt, weil Sascha eher zur faulen Sorte Hund gehört und ihrerseits von mir gezogen wird. So rauscht unser Dreierpack durch den Sonnenuntergang und das Kniehohe Gras, bis wir  nicht mehr können. Schnaufend legen wir eine Pause ein und ich will mich auf den Rückweg begeben, als ich bemerke das wir beobachtet werden
Die Rinder auf der Nachbarfarm, darunter auch einige Bullen starren uns mit angsteinflößender Miene (soweit das bei Rindern möglich ist) an und (Interpretation) versuchen uns zu hypnotisieren.
Meine beiden vierbeinigen Gefährten haben deshalb die imaginären Hosen voll und starten einen Fluchtversuch nach dem anderen. Ich denke mir: keine schlechte idee und renne los. Die Herde hinter uns her. STOOOP! Wie war das mit dem Jagdtrieb? Also bleibe ich stehen. Die Rinder auch. Jetzt starre ich zurück. Grimmig. Und bewege mich, während ich Blickkontakt halte langsam rückwärt. Sie bleiben stehen. Soweit so gut. Stück für Stück arbeiten wir uns in Richtung Tor, während uns die Blicke der verückten Wiederkäuer verfolgen.
Puhh. Geschafft.

Wie dem auch sei, auf jeden Fall kommen wir wohlbehalten zu Hause an es gibt Abendessen: selbstgemachte Kürbissuppe. Mhh, ein Gaumenschmaus. Ich biete Mekedi eine Schale an und im Gegenzug zeigt er mir den Willow Tree. Wir gehen hinunter und sehen seine Weidenartigen Äste, die dicht mit frischem, grünem Blattwerk behangen sind. Dann treten durch diesen Vorhang hindurch und befinden uns auf einmal inmitten einer Oase der Abgeschiedenheit. Der Raum, den die Äste bilden wirkt wie eine natürliches Zimmerund ich komme mir vor wie in einem Märchen. Oh wie schön. Auch an Kerzen haben wir gedacht und so ist unser Candle Light Dinner perfekt. Jetzt müsste man nur noch schwul sein. Sind wir leider nicht, also reden wir über Frauen, Südafrikanische wie auch Deutsche und irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie sich sich gar nicht so unähnlich sind.

Nach anderhalb Stunden in dieser romantischen Atmosphäre gehen wir dann zurück in die reale Welt, wo schon meine Eltern am Telefon auf mich warten. Wie schön ist es nach so langer Zeit wieder die vertrauten Stimmen zu hören und wie viel habe ich zu erzählen.
Time moves fast in Southafrica..

Ich bin dankbar für die Zeit, die ich hier verbringen, die Menschen die ich kennenlernen und all die Eindrücke, die ich erleben darf.

Und für die Hunde. Und die Hasen. Und das Hausbauprojekt.

Und vor allem dafür, dass ich nicht nur die geschminkte, touristische Seite dieses Landes sehen kann, sondern in einem Projekt arbeiten darf, in dem ich auch viel Kontakt zum armen Teil der Südafrikanischen Bevölkerung habe.

In diesem Sinne eine gute Nacht. =)


liebe Grüße,
der Adrian

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Und das Dach kommt drauf!

Hallo Welt! =)

Nach einigem Hin und Her habe mich nun doch dazu entschieden, Euch an meinen Erlebnissen über das Medium Blog teilhaben zu lassen.

Hier ist also der erste Eintrag.


Unser Projekthaus. Der rechte Anbau (weiß) ist unsere Freiwilligenbude.
Mein Wecker klingelt. Viel zu früh, denn aus irgendeinem unerfindlichen Grund müssen wir heute schon um 7:30 Uhr auf der Baustelle sein. Also raffe ich mich auf und mache wie jeden morgen mein Yoga vor der Tür. Hier grüßen mich schon die ersten Sonnenstrahlen und ich genieße wie immer diese Tageszeit, in der die Farm ruhig und friedlich auf das Erwachen ihrer Bewohner wartet.
Dann gibt’s Frühstück: Mealie Meal. Das ist eine Art Grießbrei aus Mais, der hier sehr häufig gegessen wird.
Anschließend gehe ich runter zur Baustelle, wo alles noch sehr entspannt zugeht, weil unser Chef gerade noch ein paar Kindergarten-Kinder abholt und uns deshalb noch niemand auf die Finger schaut. Mir hat eh keiner gesagt, was heute auf dem Plan steht und so mache ich mich mit kleinen Dingen nützlich: ich reiche Mekedi, der Querverstrebungen auf die dicken Balken hämmert, Nägel und was er sonst so braucht, schabe den Zement, der noch vom Vortag auf dem Boden klebt ab, wässre den ganzen Boden der Holzwerkstatt um ihn anschließend mit einem Besen zu kehren. Solche Sachen eben.
Doch bevor ich wirklich weit komme taucht Mr. John auf. Er ist so etwas wie der Hausmeister hier. Und außerdem ein ganz Lieber. Falls jemand den Film „Gran Torino“ gesehen hat: Er entspricht einfach total der Hauptperson Clint Eastwood.
Dann kommen die Hamburger. Also nicht das Essen. ;)
Sie sind vor 2 Wochen extra eingeflogen, um uns beim Bau der Holzwerkstatt zu unterstützen. Mit einem Schlag dreht sich die Situation um und es gibt anstatt zu viel Arbeit zu viele Arbeiter.
Mr. John beschäftigt die vielen Hände mit dem Streichen der Außenwand (sand-rot). Und Florian, Mr. John, Mekedi und ich gehen ins Office um zu planen, was heute wie gemacht werden muss. Der Plan: das Aufsetzen des Dachs, wozu wir erst kleine Querbalken (Purlins) auf die schon eingesetzten dicken Balken (Beams) hämmern müssen. Doch was nicht ganz klar ist, wie genau werden die einzelnen Wellblechplatten denn jetzt genau verbunden bzw. wo setzt man welches Dichtungsteil ein. Usw.
Nach 2-Stündigem Planen, Telefonieren, Skizzieren und Diskutieren ist dann alles klar und wir gehen zurück auf die Baustelle, wo wir anfangen die Purlins fest zu Nageln.
Mich plagt leider wieder dieser grässliche Heuschnupfen und ich bin die ganze Zeit am Schniefen und Weinen. Nachdem wir dann wie üblich um 10 unsere Teatime hatten wird es so schlimm, dass ich überhaupt nicht mehr sehen kann und meine Cheffin Bongi frage, ob ich schnell in den Checkers fahren darf um mir etwas gegen diese Plage zu kaufen. Sie stimmt zu. Und weil sie auch noch etwas braucht düsen wir zusammen den wohlbekannten Weg zu unserem Stamm-Einkaufszentrum, der Westgatemall.
Als ich zurück auf der Baustelle bin haben die Hamburger gerade die Wände beendet und fangen an die Wellblechplatten ins Gebäude zu tragen. Ich fahre mit dem festnageln der Purlins fort. Das macht ganz schön Spaß – schon seit einiger Zeit gefällt mir der Gedanke körperlich zu arbeiten und jetzt darf ich genau das in meinem Auslandsjahr machen. Besser kann man's nicht treffen! Und genau dieser Gedanke hält mich auch trotz der Nießanfälle, die mich im Minutentakt schütteln, auf dem Dach.
Bald gehen die Deutschen dann wieder und wir – Mekedi, Garren (Mr Johns Sohn), Mr. John und ich bleiben zurück und beschäftigen uns mit kleineren Arbeiten. Ich versuche einen Purlin, der von einem anderen Arbeiter an einem anderen Tag falsch befestigt wurde, wieder aus dem Beam zu bekommen. Das klappt mehr oder weniger gut: Hämmern löst zwar Zementverankerung des Beams in der Mauer, aber den Purlin stört das überhaupt nicht und so bleibt mir nichts Anderes übrig als die Nägel mit einer Eisensäge durchzusägen. Und das dauert bei 6-inch­-Nägeln schon seine Zeit. Letztendlich stellt sich heraus, dass wir den Purlin wegen dem riesigen Aufwand, den das Absägen der Nägel darstellt doch einfach dort lassen wo er ist. Suuuper.
Zumindest darf ich ihn wieder festnageln, denn das macht mir am meisten Spaß.
 

In diesem Moment geht auch schon die Sonne unter und wir räumen die Baustelle ein wenig auf um dann unseren Feierabend genießen. Ich esse leckeres frisches Brot, das diesmal Laila gebacken hat und palavere noch ein wenig mit Ongesiwe, bevor ich mich dazu aufraffe mir einen Blog einzurichten. Und hier ist er! =)


Und jetzt freue ich mich auf mein Bett, in dem schon eine volle Wärmflasche wartet.
Auch Euch eine gute Nacht und bis bald!


Es grüßt,
die Annanas