Mittwoch, 19. Dezember 2012

5..4..3..2..1..Bungeee!



Der erste Urlaubstag hier ganz weit im Süden beginnt früh. Um 04:15 Uhr klingelt mein Wecker. Ich quäle mich nach 3 Stunden Schlaf aus dem Bett und treffe letzte Vorbereitungen, packe meine Tasche, richte mein Vesper, überlege mir, was mit meinen Avocados, dem reifen Spinat und den Radieschen während meiner Abwesenheit geschehen soll und viel zu schnell ist auch schon 05:15 Uhr.
Nun schlägt auch Ann-Christin unter schwerem Seufzen die Decke zurück um sich mit mir auf den Weg zum Busbahnhof zu machen.
Dort angekommen verabschieden wir uns und ich steige in das Gefährt, das ich die nächsten 8 Stunden nicht verlassen werde. Außer für gewisse dringende körperlich Bedürfnisse.
Doch die Fahrt ist interessanter als ich erwartet hätte: ich lerne einen Südafrikaner in meinem Alter kennen und er bringt mir einige Afrikaans-Schimpfworte bei, die ich später an diesem Tag noch benutzen sollte.
Aber auch die Landschaft ist wunderschön, denn ich fahre die ganze Zeit an der berühmten Garden-Route entlang und hier gibt es einiges zu sehen. Riesige grüne Wälder. Manchmal aus Tannen wie bei uns und ich stelle mir vor ich wäre wieder in DE. Manchmal ist alles aber auch einfach frisch grün und ich fühle mich wie in den Tropen, während sich Wellblechhütten an nasse grüne Hänge drängen. Wunderschön.
Und dann ist es soweit: ich komme an der Tankstelle an, an der ich mich mit Nina, Erik und Gabriel verabredet hatte. Sofort düsen wir weiter in Richtung Bloukrans, wo die Jungs an einem Gumiseil 216 m in die Tiefe springen wollen.
Rein aus Interesse frage ich, ob ich auch mitspringen könne. Doch meine Miturlauber verneinen: man müsse sich längere Zeit vorher anmelden. Na gut. Schade. Doch zu meinem Glück kommen wir viel zu spät und der nächste Sprung ist erst um 17:00 Uhr. Ich warte mit den anderen Plumsteadern auf den Sprung als Erik plötzlich ruft ich solle zur Anmeldung kommen, wo es plötzlich heißt: „Du wolltest doch auch springen, oder?“. Also gut: Durch die Weihnachtsgeschenke von Omi, Opa, meiner Tante Ute und meinen lieben Ellies habe ich eh keine Geldsorgen also.. Warum nicht? Aber so richtig realisiere ich noch nicht, was ich da gerade kaufe und also wir warten versuche ich diesen Zustand bei zu behalten.
Zur Beruhigung mache ich ein wenig Yoga und dann geht‘s auch schon auf zur Brücke. Ein Höllenweg liegt vor uns:  Die Gitter die unter der Brücke entlang zum Absprung führen wippen bei jedem Schritt und machen wegen des ganzen Rostes überhaupt keinen sicheren Eindruck. Ich schaue nur grade aus, weil ich auf keinen Fall sehen will, wie tief mein Fall sein wird.



Auf der Absprungplattform angekommen bekommen wir die Geschirre angelegt  und warten auf den allesbedeutenden Moment.

Viel zu schnell kommt er auch
und ich beobachte mich dabei, wie ich zu Absprungkante vor hopple. Natürlich schaue ich immer noch NICHT nach unten, als mir gesagt wird, dass der Fotograf noch nicht da ist.
Ich hopple zurück. Er kommt.
Ich hüpfe wieder vor.
Dann Zählen:
5..4..3..2..1..Bungeeee.
Ich Springe. Strecke die Arme und sehe 300 Meter Abgrund unter mir.

Ich Fliege.
Schreie.
Die Seele aus dem Leib.
Die intensivsten 4 Sekunden meines Lebens! Ach.. Du.. scheiße.




Als ein Mann in Kletterausrüstung meine Karabiner umhakt wird mir auf einmal doch sehr stark bewusst, dass ich immer noch in ungefähr 100 m Höhe hänge und mir wird kurz ein wenig mulmig. Doch bald schon bin ich wieder oben, immer noch total geflasht von diesem Adrenalintrip und fühle mich ein wie angetrunken und nun kann ich endlich die Flüche einsetzen, die ich morgens im Bus gelernt habe. Das wiederum finden die Guides ziemlich witzig.
Was für ein Erlebnis! Vor allem wenn ich mir überlege, dass ich heute morgen noch nicht mal wusste, was mich am Nachmittag erwarte würde.
Als wir abends in unserem Backpacker in Jeffreys Bay ankommen schaue ich nur noch ein wenig beim Pool spielen zu und verkrieche mich sehr bald in meinen kuscheligen Schlafsack.

Beim Einschlafen frage ich mich, was der Urlaub wohl noch so für mich bereit hält. Und freue mich schon jetzt auf was immer da kommen mag.



In diesem Sinne eine Gute Nacht,

Euer Adrian auf Reisen

Freitag, 14. Dezember 2012

06/12/12

Heute morgen wache ich auf und entschließe mich, gegen meinen Willen, dazu nochmal ins Bett zu gehen und doch länger zu schlafen. Anstatt um 6:45 Uhr stehe ich also um 9:15 Uhr auf, wobei auch das nur, weil ich vom Lärm, den Laila beim Aufstehen macht gezwungen werde meine Äuglein zu öffnen.
Darüber hinaus ist mein Schlummer sowieso nicht mehr allzu tief: eine Fliegeninvasion sucht zur Zeit Vulamasango heim und zu meinem Leid suchen sie sich oft mein Gesicht aus um sich darauf der kröperlichen Liebe zu widmen. Es ist richtig toll, davon geweckt zu werden, dass einem Fliegen auf der Backe vögeln!
Wie dem auch sei, schließlich ruft mich das Frühstück und davor eben gezwungener Maßen auch mein Yoga. Als ich mir gerade meine Teller fertig gerichtet habe sehe ich, dass im Office gerade ein Riesenbrunch seinen Anfang nimmt: ca. 8 Personen, darunter Sis Bongi (unsere Cheffin), ihr Sohn Mpumi, Mekedi, Zintle, ihre Tochter Thabi und Andreas und Angelika sitzen schon an langer Tafel und ich schließe mich dieser Gesellschaft an. Genauso wie Ann-Christin. Wir nehmen gemütlich unser Morgenmahl ein und Mpumi und ich albern ein wenig herum und erzählen uns anzügliche Witze.
→ „Kind kurz nach der Geburt zum Vater: fühlt sich das gut an?! Fühlt sich das gut an?!“ und es tippt dem Vater auf die Stirn. Ich antworte mit meinem berühmt-berüchtigten Nonnenwitz.

Und dann geht auf einmal ganz schnell ans Umziehen: Bongi hatte die letzte Nacht nur zum Übergang hier gewohnt, weil ihr neuer Vermieter sie noch nicht in die Wohnung gelassen hatte.
Also schleppen wir Karton um Karton in den Quantum und die beiden kleinen Chicos, bis alle drei voll sind. Letztendlich geht aber alles total schnell, weil wir wir so viele sind.
Dann ist erst mal warten angesagt die ich dazu nutze um mal wieder etwas zu essen. Außerdem müssen/dürfen wir drei Freiwilligen uns die ganze Zeit die Babbelei von Mpumi anhören, der doch ein sehr gesprächiger Teenager ist und uns die ganze Zeit auf Trab hält. Um ganz ehrlich zu sein: manchmal hasse ich ihn und manchmal liebe ich ihn. Kommt ganz drauf an in welcher Stimmung er gerade ist und ich gerade bin. Doch alles in allem auf jeden Fall ein Lieber.
Anschließend lese ich ein wenig in meinem tollen Buch mit wunderschönen Konfuzianischen Weisheiten. Endlich ist es da! Nach sieben Wochen Wartezeit ist das Health-Paket meiner lieben und fürsorglichen Ellies angekommen. Incredients: lebenswichtige Bettlektüre, die lebensrettende Alnatura-Zartbitter-Schokolade und vieles anderes ähnlich wichtiges!

Der Spruch, der mich dabei heute beeindruckt hat:

Ein Gefallen
muss nich groß sein.
Wichtig ist,
dass er zum rechten Zeitpunkt kommt.

Eine Freundschaft
muss nicht tief sein.
Wichtig ist,
dass sie nicht auf falscher Gunst beruht.


Nach dieser Ausgiebigen Pause geht’s weiter mit Einladen. Letztendlich vergeht der gesamte Tag unter diesem Wechselspiel aus Pause und Warten und Einladen.
In einer weiteren Pause kommen Laila, Mpumi und ich aber dazu ein paar Liedchen zu trällern und ein paar neue Songtexte auszudrucken. Wie immer sind auch dieses mal wieder zwei neue Ed Sheeran Songs dabei.
Als Mpumi uns gegen sechs verlässt habe ich aber trotzdem das Gefühl überhaupt nichts getan zu haben und so fange ich an mir kleinere Arbeiten zu suchen, die ich heute noch machen kann.
Also koche ich den Hunden mal wieder richtig viel gutes Futter, wasche unsere Fliegennetze und brate mir ein bisschen Knuspermüsli, dass ich genau in diesem Moment auch knuspere.
Und dann kommt plötzlich Andreas herein: Hallo! Wir sind zurück und würden in fünf min gerne zum Flughafen aufbrechen! Ohje, das hatte ich ja fast vergessen. Also lass ich alles stehen und liegen, schnappe mir den Autoschlüssel, meine Schuhe und eine Wegbeschreibung von Laila und ab geht die Post.
Auf der Fahrt werde ich ein wenig melancholisch. Irgenwie habe ich die beiden Berliner in unserer gemeinsamen Zusammenarbeit ganz schön ins Herz geschlossen und ich werde nicht nur ihre zahlreichen Hausfrauentips (z.B. Knuspermüsli, Mayonnaise und richtiges Brotbacken) vermissen.
Irgendwie ist es manchmal auch schwierig mit der allgemeinen Besuchersituation umzugehen: Ich lasse mich auf den Besuch wie die Hamburger, die uns beim Bau der Holzwerkstatt geholfen haben, oder jetzt eben Andreas und Angelika, ein und arbeite dann auch viel mit ihnen zusammen. Und nach drei wochen geht der Besuch wieder. Nur ich darf hier bleiben, was ich, keine Frage, total genieße und trotzdem macht mich der Abschied dann traurig.
Trotzdem: ich bereue es auf keinen Fall neuen Menschen gegenüber offen gewesen zu sein und werde mich auch in Zukunft wieder so offen geben. Und dass man am Ende ein wenig trauert ist glaube ich nur normal und gut. Auf jeden Fall haben mir die Beiden angeboten, ihnen immer zu schreiben, wenn ich Fragen zum Garten habe und das ist richtig super!
 

So und jetzt krabble ich in mein Bett unter dem wunderweißen Fliegennetz und freue mich darauf morgen früh, nicht von gewissen Aktivitäten gewisser Fliegen auf meinem Gesicht, sondern vom piepsen des Weckers in meinen Ohren geweckt zu werden.



Eine gute Nacht!

Adrian

P.S.: Unser Hupi!

 

Sonntag, 2. Dezember 2012

Andreas, Angelika und ich (stolz) hinter unserem neu angelegten Garten. Bisher haben wir gepflanzt: Kürbis, rote Beete, Möhren, Gurken, Erbsen, Buschbohnen, Tomaten, Paprika, Salat, Zwiebeln, Spinat und Knoblauch. Außerdem gibts noch einen Brokoli von den Vorgängern. Also alles was das Gemüseherz begehrt. ;)



Auf Wundervollen Wanderpfad im Botanischen Garten
























Die Farm am Abend. Eine Kulisse wie im Urlaub.