Heute morgen wache
ich auf und entschließe mich, gegen meinen Willen, dazu nochmal ins
Bett zu gehen und doch länger zu schlafen. Anstatt um 6:45 Uhr stehe
ich also um 9:15 Uhr auf, wobei auch das nur, weil ich vom Lärm, den
Laila beim Aufstehen macht gezwungen werde meine Äuglein zu öffnen.
Darüber hinaus ist
mein Schlummer sowieso nicht mehr allzu tief: eine Fliegeninvasion
sucht zur Zeit Vulamasango heim und zu meinem Leid suchen sie sich
oft mein Gesicht aus um sich darauf der kröperlichen Liebe zu
widmen. Es ist richtig toll, davon geweckt zu werden, dass einem
Fliegen auf der Backe vögeln!
Wie dem auch sei,
schließlich ruft mich das Frühstück und davor eben gezwungener
Maßen auch mein Yoga. Als ich mir gerade meine Teller fertig
gerichtet habe sehe ich, dass im Office gerade ein Riesenbrunch
seinen Anfang nimmt: ca. 8 Personen, darunter Sis Bongi (unsere
Cheffin), ihr Sohn Mpumi, Mekedi, Zintle, ihre Tochter Thabi und
Andreas und Angelika sitzen schon an langer Tafel und ich schließe
mich dieser Gesellschaft an. Genauso wie Ann-Christin. Wir nehmen
gemütlich unser Morgenmahl ein und Mpumi und ich albern ein wenig
herum und erzählen uns anzügliche Witze.
→ „Kind kurz
nach der Geburt zum Vater: fühlt sich das gut an?! Fühlt sich das
gut an?!“ und es tippt dem Vater auf die Stirn. Ich antworte mit
meinem berühmt-berüchtigten Nonnenwitz.
Und dann geht auf
einmal ganz schnell ans Umziehen: Bongi hatte die letzte Nacht nur
zum Übergang hier gewohnt, weil ihr neuer Vermieter sie noch nicht
in die Wohnung gelassen hatte.
Also schleppen wir
Karton um Karton in den Quantum und die beiden kleinen Chicos, bis
alle drei voll sind. Letztendlich geht aber alles total schnell, weil
wir wir so viele sind.
Dann ist erst mal
warten angesagt die ich dazu nutze um mal wieder etwas zu essen.
Außerdem müssen/dürfen wir drei Freiwilligen uns die ganze Zeit
die Babbelei von Mpumi anhören, der doch ein sehr gesprächiger
Teenager ist und uns die ganze Zeit auf Trab hält. Um ganz ehrlich
zu sein: manchmal hasse ich ihn und manchmal liebe ich ihn. Kommt
ganz drauf an in welcher Stimmung er gerade ist und ich gerade bin.
Doch alles in allem auf jeden Fall ein Lieber.
Anschließend lese
ich ein wenig in meinem tollen Buch mit wunderschönen
Konfuzianischen Weisheiten. Endlich ist es da! Nach sieben Wochen
Wartezeit ist das Health-Paket meiner lieben und fürsorglichen
Ellies angekommen. Incredients: lebenswichtige Bettlektüre, die
lebensrettende Alnatura-Zartbitter-Schokolade und vieles anderes
ähnlich wichtiges!
Der Spruch, der mich dabei heute beeindruckt hat:
Ein Gefallen
muss nich groß
sein.
Wichtig ist,
dass er zum rechten
Zeitpunkt kommt.
Eine Freundschaft
muss nicht tief
sein.
Wichtig ist,
dass sie nicht auf
falscher Gunst beruht.
Nach dieser
Ausgiebigen Pause geht’s weiter mit Einladen. Letztendlich vergeht
der gesamte Tag unter diesem Wechselspiel aus Pause und Warten und
Einladen.
In einer weiteren
Pause kommen Laila, Mpumi und ich aber dazu ein paar Liedchen zu
trällern und ein paar neue Songtexte auszudrucken. Wie immer sind
auch dieses mal wieder zwei neue Ed Sheeran Songs dabei.
Als Mpumi uns gegen
sechs verlässt habe ich aber trotzdem das Gefühl überhaupt nichts
getan zu haben und so fange ich an mir kleinere Arbeiten zu suchen,
die ich heute noch machen kann.
Also koche ich den
Hunden mal wieder richtig viel gutes Futter, wasche unsere
Fliegennetze und brate mir ein bisschen Knuspermüsli, dass ich genau
in diesem Moment auch knuspere.
Und dann kommt
plötzlich Andreas herein: Hallo! Wir sind zurück und würden in
fünf min gerne zum Flughafen aufbrechen! Ohje, das hatte ich ja fast
vergessen. Also lass ich alles stehen und liegen, schnappe mir den
Autoschlüssel, meine Schuhe und eine Wegbeschreibung von Laila und
ab geht die Post.
Auf der Fahrt werde
ich ein wenig melancholisch. Irgenwie habe ich die beiden Berliner in
unserer gemeinsamen Zusammenarbeit ganz schön ins Herz geschlossen
und ich werde nicht nur ihre zahlreichen Hausfrauentips (z.B.
Knuspermüsli, Mayonnaise und richtiges Brotbacken) vermissen.
Irgendwie ist es
manchmal auch schwierig mit der allgemeinen Besuchersituation
umzugehen: Ich lasse mich auf den Besuch wie die Hamburger, die uns
beim Bau der Holzwerkstatt geholfen haben, oder jetzt eben Andreas
und Angelika, ein und arbeite dann auch viel mit ihnen zusammen. Und
nach drei wochen geht der Besuch wieder. Nur ich darf hier bleiben,
was ich, keine Frage, total genieße und trotzdem macht mich der
Abschied dann traurig.
Trotzdem: ich bereue
es auf keinen Fall neuen Menschen gegenüber offen gewesen zu sein
und werde mich auch in Zukunft wieder so offen geben. Und dass man am
Ende ein wenig trauert ist glaube ich nur normal und gut. Auf jeden
Fall haben mir die Beiden angeboten, ihnen immer zu schreiben, wenn
ich Fragen zum Garten habe und das ist richtig super!
So und jetzt krabble
ich in mein Bett unter dem wunderweißen Fliegennetz und freue mich
darauf morgen früh, nicht von gewissen Aktivitäten gewisser Fliegen
auf meinem Gesicht, sondern vom piepsen des Weckers in meinen Ohren
geweckt zu werden.
Eine gute Nacht!
Adrian
P.S.: Unser Hupi!
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