Sonntag, 24. Februar 2013

Eilmeldung – Eilmeldung – Eilmeldung

Morgen beginnt um 08:30 Uhr in einem Garden Centre von Abalimi in Khayelitsha mein Gardening-Kurs! Er geht vier Tage und dabei wird mir wohl beigebracht werden, wie man einen kleinen Selbstversorgungsgarten anlegt. Ich bin gespannt und freue mich!

Viele Dank an dieser Stelle an Meine Cheffs SisBongi und Florian, die mir während der Kurszeit frei geben!
Und genauso auch an Andreas, der mich nochmals daran erinnert hat, dass ich diesen Kurs besuchen wollte!

Und hier ein paar kleine Bilderli von meinen Ablegern
Ableger einer ominösen Pflanze, die bei uns im Eingangsgang wächst
 
Ein Tomaten Ableger gezogen aus einem Geiztrieb
Ableger mit großem Wurzelballen














eingetopfter Ableger MIT im Recyclingtöpfchen!


P.S.: Auch wenn es keine thematische Verknüpfung gibt MUSS ich erzählen, dass Abongile, einer der Waisen von der Farm, und ich angefangen haben vor der Arbeit/Schule Joggen zu gehen! Dann heißt es um 5:20 Uhr aufstehen und direkt in die Joggingschuhe stolpern um um 06:30 Uhr mit unseren acht Kilometern fertig zu sein!
Dabei ist es wunderschön mitzuerleben wie die Sonne langsam die Dunkelheit und Kälte der Nacht vertreibt, während man Runde um Runde, Kilometer um Kilometer hinter sich zurück lässt.



Bis Bald!

Adrian





Dienstag, 19. Februar 2013

Wellenberge

Time flies in South Africa. Aber wie. Mein Gefühl sagt mir, dass seit dem Urlaub erst zwei Wochen vergangen sind, aber in Wirklichkeit sind es schon fast anderthalb Monate. Alles rast mit so einer Geschwindigkeit an mir vorbei, dass ich einfach nur versuche so viel wie möglich mitzubekommen und aufzusaugen.
Zur gleichen Zeit wird aber auch alles irgendwie immer normaler. Was ich gut finde, denn dadurch konzentriert man sich mal wieder verstärkt auf normale Dinge wie z.B. Sport. Der nimmt inzwischen schon fast wieder einen so großen Stellenwert ein, wie auch in Deutschland. Mit der Suche nach einem Kampfsportverrein bin ich zwar immer noch nicht wesentlich weiter gekommen aber DAFÜR habe ich am Wochenende ein wunderschönes, tolles, klasse supergeiles Surfboard gekauft! UND jetzt kann ich ins Wasser wann immer ich will!
Was ich heute morgen natürlich auch gleich mal ausgenutzt habe.

Um sechs Uhr klingelt also mein Wecker. Was mir ausnahmsweise nichts ausmacht. Endlich ist es so weit. Schon seit zwei Tagen möchte ich wieder in die Fluten. Also ziehe ich mich warm an, mache mir einen Tee und wecke meine Mitbewohner plus Anhängsel auf. Auch die scheinen sich trotz der frühen Uhrzeit zu freuen und so sitzen wir um halb sieben im Auto und fahren in Richtung Muizenberg. Das Wetter ist noch diesig, aber die ersten Sonnenstrahlen schauen schon aus dem Himmelsgrau. Und als links neben unserer Straße endlich das Meer auftaucht muss ich jubeln: Leichter Off-Shore Wind und ganz ansehnliche Wellen! Perfekt.
Im Hintergrund läuft Shadow Club, eine Rockband, die ich im Urlaub live gesehen habe. Hinter mir turteln Mvu und Laila und Ann-Christin und ich singen mit der CD. Ich fühle mich frei.

Muizenberg bei unsrer Ankunft


Als wir ankommen mache ich erst mal Yoga und dann geht’s ab in die Wellen! Es ist angenehm kühl und ich paddle erst mal eine ganze Weile durchs Weißwasser, bis ich den ganzen Schaum hinter mir gelassen habe und weiter draußen eine Verschnaufpause einlegen kann.
Ich setze mich auf mein Brett. Atme tief durch. Warte ich erst mal eine Weile ab.
Die Wellen kommen und gehen, aber keine scheint die richtige Größe zu haben. Sie brechen alle weiter in Richtung Strand. Also warte ich auf größere Wasserberge.
Und da kommt auch schon einer!
Ich paddle..
Und..
und..
Stürze erst mal kopfüber in den Strudel.
Werde herum gewirbelt, bis mich das Wasser wieder frei lässt und ich etwas außer Atem durch die Wasseroberfläche breche.
Aber vielleicht war diese Abkühlung genau das Richtige, denn endlich bemerke ich, was mein Fehler ist: ich bin einfach zu weit draußen. Zwar treiben sogar noch 30 m weiter andere Wellenreiter, aber die sind wohl einfach Profis. Also paddle ich wieder ein Stück in Richtung Land. Und jetzt kommt die Sonne endlich hinter ihrem Wolkenversteck hervor.
Genauso auch bei mir: Auf einmal klappts! Hinter mir erscheint eine Welle und sie scheint genau richtig zu brechen. Aber Puh! Sie ist ganz schön groß! Vor Aufregung, wie auch ein bisschen Angst paddle ich, was das Zeug hält!
Und..
und..
Diesmal klappts!
Ich rausche den Wasserabhang hinunter.
Stemme mich aufs Knie.
Dann auf die Beine
Und stehe!
Glück durchströmt mich.
Drei Sekunden, Vier Sekunden. Dann springe ich ab. Die gesamte Strecke, die ich fahre muss ich ja schließlich auch wieder zurück auf Meer paddeln!
Was für ein Gefühl.
Von da an scheint alles anders und auf einmal erscheint es viel einfacher. Ich paddle nach draußen und keine fünf Minuten und noch ein Wellenberg bäumt sich groß und schön vor mir auf. Und wieder surfe ich ihn hinunter. So geht es noch einige Male, bis ich bemerke, dass es leider schon acht ist und ich zurück ans Ufer muss, wo ich mich wieder mit meinen Gefährten treffe.

Mensch. Was für ein Morgen. Mal sehen, vielleicht mache ich das jetzt jeden zweiten Tag. Der Plan steht auf jeden Fall!
Ich meine, wann in meinem Leben werde ich mal wieder die Möglichkeit haben jeden Morgen surfen zu gehen? Eben.
Aber wie dem auch sei, ich freue mich erst mal auf Übermorgen und in noch näherer Zukunft auf mein Bett. Oh ja. Aber wie. Denn morgen rennt die Zeit wieder. Und dafür muss ich fitt sein.


Viele liebe Grüße aus der Ferne,


Adrian

Montag, 4. Februar 2013

Mein ganzer Stolz. Mein Garten.

So jetzt gibt’s endlich mal wieder Neuigkeiten.
Und zwar mit viel info über meinen Stolz. Meinen Garten!

Erst mal will ich Euch etwas über meine ersten zwei Wochen Arbeit seit dem Urlaub erzählen.
Als wir am zehnten Januar also nach drei Wochen Reisen zurück nach Kapstadt kommen bin ich richtig entspannt meine Arbeitsmotivation entpsrechend niedrig. Viel zu schön waren die Wandertouren, Wasserfälle, Strände und Abende in entspannten Backpackers mit den vielen neuen Bekanntschaften und meinen luschtigen Kameraden.
Nur auf eins habe ich mich richtig gefreut: Meinen Garten! Wie hoch ist das Unkraut wohl in meiner Abwesenheit gewachsen? Was ist gestorben und was gewachsen? Hat alles auch die ganze Zeit genügend Wasser bekommen?
Ich komme zu Hause an und sehe von dem was ich angepflanzt habe einfach kein einziges Blatt mehr. Alles ist mit anderthalb meter hohem Unkraut zugewuchert. Ein gutes Zeichen: die Wasserfrage wäre also geklärt.
Am nächsten Morgen mache ich mich dann so früh es mir möglich ist an die Arbeit und fange an auszusortieren, was ich in meinen Garten haben möchte und was nicht. Und am darauf folgenden Tag mache ich das gleiche. Genauso wie am darauf folgenden Tag. Nach zwei ein halb Tagen Unkraut rupfen habe ich es dann geschafft mein Gemüse aus seine grünen Hülle zu schälen und ich stehe vor einer Menge reifen Möhren, großen Erbsen, und Mangoldbüschen. Das Highlight sind aber die RIESIGEN Büsche Kürbis und Zucchini, wobei letzteres schon ca. drei-kilo-Früchte trägt. Mensch bin ich da stolz. Die erste Zucchini ernte und esse ich noch am gleichen Tag.
Und weil ich so viel davon habe schenke ich natürlich auch Mr. John, Bongi und Lusande welche und habe immernoch genügend um auch unsere Küche in Vulamasango zu versorgen. Ein echtes Erfolgserlebnis.
Genauso, wie der Fakt, dass Mama Zukiswa mein Gemüse auch annimmt. Sie probiert damit inzwische auch neue Rezepte aus und vielleicht lässt sich auf lange Sicht ein bisschen etwas an unserer Vulamasango-küche verändern. Nicht weil es schlecht schmeckt, aber weil eben doch sehr viel Aromat (=Glutamat), Fett und Zucker verwendet wird.
Interessant dazu: Letztens habe ich erfahren, dass Aromat in manchen Europäischen Ländern sogar verboten ist. Daran sieht man ja wie ungesund es ist.




Nebenbei: Diese Woche habe ich mit Mekedi auch eine Zucchini gekocht und mit einer Hackfleisch-masse gefüllt. Natürlich habe ich auch Mama Zuki etwas davon ürbig gelasssen und sie war richtig begeistert. Seit dem nimmt sie meine Meinung in Küchendingen wesentlich ernster. Auch unseren Nachbarn, Abongile, Zintle und Thuso hat's gut geschmeckt. Also die Hackfleischfüllung. Die Zucchini wurden natürlich fein säuberlich aussortiert.

Zurück zum Garten. Nach dem ersten Säubern widme ich mich dann den Tomaten. Aus Samen wurden Sätzlinge und aus Sätzlingen stattliche Pflanzen. Groß genug um sie nun in die „freie Wildbahn“ zu entlassen und so baue ich erstmal mehrere Konstruktionen um die Kleinen zumindest vor der stärksten Mittagssonne zu schützen.
Dann pflanze ich die Babys um, achte aber darauf, dass ihre Wurzeln nicht lange im Freien sind, dass sie schnell in den Schatten kommen und sofort einen Stecken mit Befestigung haben, damit sie nicht ins Gieswasser hängen und zugeschlemmt werden. Auch ein bisschen kompostierten Hühnermisst gibt’s als Starthilfe. Mann stinkt dieses Zeug! Aber egal, es scheint zu wirken. Bei manchen der Pflanzen lasse ich den Dünger aber weg, ein kleiner Versuch.

Das nächste Projekt sind dann die guten alten Bohnen. Noch von Angelika und Andreas liegen hier große Päckchen trockener Verzehrbohnen herum. Auf denen steht aber natürlich nicht, ob das Busch oder Stangenbohnen sind. Und weil die Pflanzanordnung sich bei den beiden Typen unterscheidet führe ich gerade eine Keimprobe durch.
Alle Bohnensorten, die ich habe werden in in Töpfchen gesät und dann wird geschaut, zu was sie sich entwickeln. Töpfchen beschriften ist dabei natürlich sinnvoll. Und inzwischen kann ich auch schon die ersten Köpfchen sehen und zwar wesentlich früher als erwartet: nach vier Tagen! Also lange dauerts nicht mehr, bis ich das große Beet, dass bisher noch frei ist in ein Bohnenfeld verwandeln kann. Auch diese Idee stammt noch vom „Biodynamischen Ehepaar“. Das Prinzip dahinter ist, den Sandboden den's hier überall gibt zu verbessern, weil Bohnen ja Leguminosen sind. Also Pflanzen die eine „Partnerschafft“ mit stickstofferzeugenden Bakterien in kleinen Knöllchen an ihren Wurzeln eingehen. Kurz: sie verbessern den Boden. Aber das ist nur ein Grund. In unserer Küche wird außerdem jede Woche Umqushu gekocht, das eigentlich nur aus Bohnen besteht. Also gleich zweierlei Nutzen.
Wie dem auch sei, auf jeden Fall komme ich während der ganzen Zeit in der ich draußen an der frischen Luft und der Sonne arbeite wieder mehr im Projekt an und freue mich sogar schon wieder richtig auf die nächsten Arbeitstage.Selbstbestimmtes Arbeiten an der frischen Luft. Was kann man sich mehr wünschen?

Darüber hinaus fühle ich mich auf der Farm auch immer wohler, weil sich das Verhältnis von mir und Zintle, Abongile und Ongesiwe grade total entwickelt. Letzte Woche habe ich sogar einmal bei ihnen in der Hütte zu abend gegessen und konnte sehen, wie sie denn so ihren Familienalltag gestalten.
Echt schön dort.
Richtig witzig und entspannt.
In Zukunft möchte ich mich öfter zu ihnen einladen, damit wir mehr Zeit zusammen verbringen.
Zu dieser Nachbarschafts-verhältnis-verbesserungs-agenda gehört auch, dass wir Mekedi jetzt öfter einfach zum Feiern mit nehmen, ab und zu einen Film zusammen schauen oder eben gemeinsamkochen. Und das macht die Farm für mich als Zuhause wirklich spürbar angenehmer.
An dieser Stelle möchte ich noch urz erzählen, was frü Unterschiede ich zwischen Deutschen und Südafrikanern spüre.
Nicht nur dass hier fast nur Hühnchen als Fleisch gegessen wird sondern (genauso signifikant ;) , dass die Menschen viel emotionaler sind. Auf der einen Seite wird man z.B. richtig zur Sau gemacht, wenn man etwas falsch macht. Auf der anderen Seite lacht man viel mehr (und lauter!) miteinander. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass Südafrikaner einfach wesentich mehr Humor haben als z.B. Deutsche.
Tschuldigung.
Aber das gefällt mir schon richtig gut.
Gerade auch mit unseren beiden älteren Mädels Mama Zukiswa und Mama Nontsindiso lache ich mich teilweise sooo kaputt, wenn wir unsre Mittagpause gemeinsam schwatzend in der Küche verbringen. Ein wunderschönes Klima.
Darüber hinaus läufts aber auch mit den After-School-Care-Kids immer besser. Wenn sie Freizeit haben gehe ich in letzter Zeit immer mit ihnen raus, springe mit ihnen Trampolin, jongliere oder rangle mit ihnen herum. Und das macht nicht nur ihnen Spaß sondern ist auch für mich nach einem harten Gartenarbeitstag genau das Richtige.

So und jetzt gibt’s erschtemole was leckeres zwische'd Kauleischde.

Macht's gut und bis bald,

der Adrian