Donnerstag, 8. November 2012

Ein ordentlich gekleideter Herr

Es gibt Neuigkeiten!

Als ich um viertel vor 7 aufstehe weiß ich: heut ist Sporttag. Und so kämpfe ich mich aus meinen Laken um mir einen Tee zu machen und dann in meine Joggingklamotten zu schlüpfen. Dann geht’s auch schon los, ab durchs Tor und immer an der Weltevredenroad entlang, bis die erste 4-STOP-Kreuzung kommt. Hier drehe ich um bis ich wieder an unserem Tor vorbeikomme, dann weiter bis zur Linkskurve nach dem Hügel.
Ich finde es schön so aktiv in den Tag zu starten. Da werde ich wenigstens richtig wach: Laila und ich haben angfangen Songs von Ed Sheeran zu covern und sind dabei gestern abend ein wenig hängen geblieben. Aber der Schlafmangel wird durch die schönen, musikalischen Stunden auf jeden Fall aufgewogen.
Aber zurück zur Straße. Genau solchen Kleinigekeiten machen erinnern mich daran, dass ich in Südafrika bin und nicht in Deutschland: Ich Jogge nur an der Straße entlang und meider Wege in denen ich allein wäre. Auch um 7 Uhr morgens.
Ein anderes Beispiel wäre das pinkeln: Wenn ich nachts aufs Klo muss dauert es gefühlte Stunden, bis ich mich erleichtern kann: Zuerst muss ich eine Alarmanlage und dann ein Gate entsichern. Da braucht man schon Haltekraft. Aber nach nun zwei Monaten habe ich die natürlich schon lang entwickelt..
Wie dem auch sei, nach 45 min komme ich zurück auf die Farm und beende hier mein Sportprogramm, bevor ich mich wieder an meinem Hasenstall zu schaffen mache.
Und tatsächlich! Heute wird er fertig!
Natürlich muss ich sofort Mekedi rufen und wir setzen die beiden Rammler in ihren neuen Garten.
Sie sind ganz aufgeregt hoppeln wie wild im Kreis und fangen sogar an ein wenig zu balgen. Richtig goldig.

Links - Hase, Mitte - Hase, Rechts - Zufrieden

Nachdem wir ihnen eine Weile zugeschaut haben gehe wir in Richtung Holzwerkstatt um ein paar Fotos zu machen: Ihr konntet ja noch gar nicht sehen, wie das neue Gebäude denn jetzt mit fertigem Dach aussieht. Am Dienstag haben wir die letzte Dachplatte montiert.

Wenn ich mir das Gebäude jetzt anschaue bin ich Stolz, dass auch ein wenig meiner harten Arbeit darin steckt. Auch wenn die Mauern vielleicht nicht ganz rechteckig und das Dach nicht ganz senkrecht ist. Aber damit habe ich nichts zu tun!
Die Bricklayer haben irgendwie vergessen Winkel zu benutzen und jetzt gibt’s eine gewisse Diskrepanz zwischen dem geraden Dach und den nicht ganz geraden Mauern..



Anschließend geht’s ans Gras mähen, Essen machen und Autoputzen und als wir unser Tagwerk vollbracht haben wollen wir drei Freiwilligen mit unserem eigenen Auto (!!!) einkaufen gehen.
Nebenbei: das Auto haben wir Hupert getauft und wegen dem „i“ im Modellnamen – Golf Chico 1.4 i – sind wir auch recht schnell an der muslimischen Mall angelangt und gehen erst mal zu den Bankautomaten.
Als Ann-Christin gerade ihre Karte einführen möchte kommt ein ordentlich gekleideter Herr mit Geld in der Hand von einem anderen Schalter und sagt „No! Press the left button“. Ann-christin sagt noch „No, my card..“ und dann hat er sich ihre Kreditkarte auch schon geschnappt und in den Automaten geschoben. Doch uns kommt das ganze verdächtig vor: der Automat zeigt eine andere Menüseite an als wir gewohnt sind und so tippt Ann-christin auf „Cancel“. Keine Karte erscheint im Schlitz. Der Mann ist immer noch da: „You have to press this Button, enter your code and cancel afterwards!“. Doch wir wollen ihm nun nicht mehr glauben und so geht er nach ein zwei weiteren halbherzigen Überzeugungsversuchen. Wir sind ein wenig hilflos, bis ein Pärchen kommt und fragt, ob sie uns helfen könnten. Wir sagen wir nähmen die Hilfe gerne an, weil die Karte Im Automat verschwunden sei und sie schlagen uns die gleiche Methode wie der gutgekleidete Herr vor.
Das ganze fängt an sehr dubios zu wirken und wir lehnen tun natürlich nicht wie uns geheißen. Auch das Pärchen verschwindet und Laila rennt nach draußen um sich das Nummernschild zu merken. So langsam schnallen wirs. Der Mann war ein Betrüger. Und er hat uns erwischt.
Wir stehen ohne Kreditkarte und Geld dafür mit blanken nerven da.

Gottseidank hat er keinen PIN. Glück im Unglück aber natürlich düsen wir sofort nach Hause um die Karte sperren zu lassen. PUHH!
Jetzt hoffe ich für meine Mitbwohnerin, dass nichts abgebucht wurde.
Kurz: Es bleibt aufregend.
Aber jetzt werde ich mich erst mal mit einem kleinen Fülmschen entspannen und wünsche auch Euch eine gute Nacht.



Liebschde Grüße ganz weit aus dem Süden,

Adrian

P.S.: Hier hats über 30° C und wir müssen total aufpassen, dass wir keinen Sonnenbrand bekommen. Und irgendwie will die Weihnachtsdekoration im Checkers (sowas wie Edeka bei uns) einfach überhaupt nicht zu diesem Wetter passen.

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